Wien führt ebenfalls Sozialkreditsystem ein

Nach Bologna und Bayern führt auch die österreichische Hauptstadt Wien ein Sozialkreditsystem ein. Der "Wien-Token" soll ab dem Herbst 2022 kommen.

Ähnlich wie der "Öko-Token" in Bayern, bringt der "Wien-Token" den Bürgern Pluspunkte ein wenn sie CO2 einsparen. Ab dem Herbst 2022 soll in Österreichs Hauptstadt ein Sozialkreditsystem eingeführt werden, klimafreundliches Verhalten wird dann belohnt, die Pluspunkte kann man gegen Eintrittskarten verschiedener Veranstaltungen eintauschen.


Schon Anfang 2020 sollte das Projekt in Wien eigentlich starten, die Covid-Lockdowns haben das aber verhindert. Der für Herbst diesen Jahres geplante "Wien-Token" ist ein "digitales Bonussystem, das mittels einer App umweltbewusstes Verhalten mit freiem Zugang zu Kulturveranstaltungen honoriert" so ein Pressesprecher des Projekts. Beim "Wien-Token" handelt es sich um ein automatisches Kontrollsystem das die Mobilität der Bürger bewertet und überwacht. Wer mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, bekommt Pluspunkte, wer das Auto nutzt bekommt Abzug.


Die Tokens werden mit der Ersparnis des Kohlendioxidverbrauchs verrechnet, ein Token entspricht einer CO-Menge von 20 Kilogramm. Zur Einlösung der Tokens kommt ein QR-Code System zum Tragen das einem dann freien Zugang zu Veranstaltungen gewährt. Der ursprüngliche "Kultur-Token" stand bis dahin etwa 1 000 Wienern zur Verfügung, soll aber ab Ende des Jahres für alle verwendbar werden. Wie lange der Token in Wien freiwillig bleibt, ist abzuwarten, jedenfalls forschen die Österreicher bereits an einem Projekt mit Namen "Engineering a trustworthy society" in Anlehnung an das Sozialkreditsystem in China. Die Forschung wird vom European Research Council mit 1,8 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren finanziert und trägt den Untertitel: „Entwicklung, Wahrnehmung und Auswirkungen von Chinas Sozialkreditsystem“. Es gehe darum eine "vertrauenswürdige Gesellschaft" zu etablieren und dabei wird der chinesische Weg als ein "ehrgeiziges Social-Engineering-Projekt" beschrieben.


Doch hinter dem Ehrgeiz und der vertrauenswürdigen Gesellschaft steckt ein Überwachungssystem erster Güte, denn "es sammelt Informationen von allen Bürgern, Unternehmen und Organisationen und versucht, das Verhalten durch Anreize und Strafen zu steuern" so der Leiter des Forschungsprojekts am Institut für Ostasienwissenschaften. Dabei spricht er von Freiwilligkeit, denn hier in Wien "suchst du dir aus, ob du mitmachst, in China kannst du dich nicht entscheiden, ob du teilnimmst".


In China gäbe es außerdem schon lange die passende Infrastruktur für ein Sozialkreditsystem, zum Beispiel virtuelle Pranger an denen Bürger aufgelistet werden, die unerwünschtes Verhalten an den Tag gelegt haben. In Europa wäre man dagegen noch nicht so weit, die Pilotprojekte steckten quasi noch in den Kinderschuhen. Dass wir hierzulande ein ähnliches System bekommen würden wie im Reich der Mitte hält der Leiter allerdings eher für nicht wahrscheinlich, betont aber zeitgleich, dass er hoffe, dass sich "die Kommission" dafür "interessieren wird". Dabei meint er die EU-Kommission, die als potenzieller Geldgeber für ein Sozialkreditsystem in Frage kommt.


Bei Sozialkreditsystemen in China würde demnach auch nicht künftiges Verhalten der Bürger bewertet werden, sondern vergangene Taten. Auch wäre keine Kameraüberwachung mit dem Projekt verknüpft, außer vielleicht im Straßenverkehr. Man wird seiner Meinung nach nicht "auf Schritt und Tritt verfolgt" und auch die künstliche Intelligenz sei nicht ausschließlich dazu da, die Menschen zu überwachen. Rosige Worte, doch die "Verschwörungstheorien" der Kritiker haben sich leider schon allzu oft als wahr erwiesen als dass man diesen Ausführungen einfach so Glauben schenken darf. Wien sieht sich jedenfalls in der Vorreiterrolle was "Smart City"-Planungen angeht, Daten der Bürger seien dabei essentiell und Wien hat vor, die "Digitalisierungshauptstadt in Europa" zu werden.


Quellen:


(1) https://www.artikeleins.info/post/sozialkreditsystem-kommt-auch-in-bayern-der-%C3%B6kotoken-wird-sp%C3%A4testens-2023-eingef%C3%BChrt

(2) https://digitales.wien.gv.at/projekt/kultur-token/

(3) https://www.wien.gv.at/regierungsabkommen2020/files/Koalitionsabkommen_Master_FINAL.pdf

(4) https://sinologie.univie.ac.at/forschungsschwerpunkte/aktuell-laufende-drittmittelprojekte/

(5) https://ufind.univie.ac.at/de/course.html?lv=150114&semester=2022S




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