Taiwan-Konflikt: Fünf mögliche Szenarien für eine Reaktion Chinas auf US-amerikanische Provokation

Ein Forscher aus Taiwan hat fünf mögliche Szenarien erarbeitet, wie eine mögliche Reaktion Chinas auf verstärkte US-amerikanische Provokationen in der Taiwan-Frage aussehen könnten. Unterdessen reiste die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi für eine Nacht nach Taipeh, eine rote Linie für die Chinesen.

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Der Taiwan-Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China droht sich immer mehr zuzuspitzen. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi reiste heute für eine Nacht nach Taipeh und soll morgen auf die taiwanesische Präsidentin Tsai Ing-wen treffen. In China sorgt diese Provokation Washingtons indes für Unruhe und könnte für eine militärische Eskalation seitens Pekings gegen Taiwan sorgen. Offiziell soll Pelosi nur Malaysia, Südkorea und Japan besuchen, doch ein Besuch Taiwans gilt inoffiziell als gesichert. Peking warnte bereits mehrfach davor, dass man niemals tatenlos zuschauen würde, wenn Pelosi nach Taiwan reisten würde, denn ein solcher Besuch stellt für die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) eine Missachtung des "Ein-China-Prinzips" dar.


Der Besuch, der laut US-Außenminister Blinken Pelosis völlig freie Entscheidung sei, sorgt für ein Überschreiten roter Linien bei der Kommunistischen Partei und könnte laut verschiedener Analysten zu einer Eskalation führen. Ein in Taiwan lebender Wissenschaftler der seine Wurzeln in westlichen Staaten hat, erstellte nun fünf mögliche Szenarien einer chinesischen Reaktion auf das Vorgehen der USA:


Szenario 1: Der minimalistische Ansatz. Die PLA besetzt die Jinmen- oder Matsu-Inseln sowie die taiwanesischen Inseln im Südchinesischen Meer und vielleicht sogar die Penghu-Inseln. Außerdem erklärt sie einen Teil oder die gesamte Straße von Taiwan zu einer Sperrzone für ausländische Militärschiffe. Dies wäre für die PLA wahrscheinlich ziemlich einfach, und Taiwan würde sich wahrscheinlich nicht zu sehr auf einen Seekrieg gegen die riesige PLA-Marine (PLAN) einlassen wollen, wenn diese sich nicht direkt der Hauptinsel nähert.


Szenario 2: Hybride Kriegsführung. Eine Art partielle See- und Luftblockade Taiwans mit dem Ziel, die Wirtschaft zu beeinträchtigen, kombiniert mit verstärkten Schikanen, wie z. B. direkten Überflügen von Taiwans Territorium durch Jets der PLA-Luftwaffe (PLAAF) oder Eindringen in Taiwans Seeraum durch Chinas Seemiliz, geschützt durch PLAN-Kriegsschiffe. Dies könnte auch mit Cyberangriffen einhergehen, die das Internet und andere Infrastrukturen tagelang lahm legen könnten. Taiwan hätte keine andere Wahl, als eine harte Verteidigungshaltung einzunehmen, was zu echten Gefechten zwischen taiwanesischen und chinesischen Streitkräften führen würde und ein ernsthaftes Eskalationsrisiko darstellen würde.


Szenario 3: Ein ernsthafter Angriff, aber keine Invasion. In diesem Fall würden nur Luft- und Seekrieg geführt, aber keine Bodentruppen eingesetzt. Eine vollständige Luft- und Seeblockade, eine Reihe von langwierigen See- und Luftkämpfen, die darauf abzielen, Taiwans Militär zu schwächen, kombiniert mit Angriffen mit ballistischen Raketen auf militärische Ziele. Aggressive Cyberangriffe, die das Internet abschalten und kritische Infrastrukturen für Tage oder Wochen lahm legen. Sobald die Luft- und Seeüberlegenheit hergestellt wäre, könnte China nach Belieben Ziele angreifen und die Bedrohung so lange steigern, bis die Regierung zusammenbricht.


Szenario 4: Die volle Breitseite – eine richtige Invasion. Totale Luft- und Seeblockade, massive ballistische Raketenangriffe auf militärische Ziele, massive Cyberangriffe, um praktisch die gesamte militärische, staatliche und zivile Kommunikation lahmzulegen und kritische Infrastrukturen lahmzulegen. Aggressive See- und Luftangriffe, um Taiwans Streitkräfte zu schwächen und die Überlegenheit im Kampfgebiet zu erlangen, gefolgt von anhaltenden Luftangriffen von Jagdflugzeugen und Bombern auf militärische Ziele. Ein Enthauptungsschlag in Taipeh durch Spezialeinheiten, um zu versuchen, wichtiges Führungspersonal zu ergreifen. Gut koordinierte Insider-Verrat- und Sabotageaktionen durch Gangster, eingeschleuste KPCh-Agenten und andere mit China sympathisierende Gruppen – die so genannte “Fünfte Kolonne”. Ein amphibischer Angriff mit enger Luftunterstützung durch Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Kampfdrohnen an einem oder mehreren Orten in Taiwan und sehr wahrscheinlich die Einnahme eines großen Hafens, wie Keelung, Taipeh Port, Taichung oder Kaohsiung. Dann würden Hunderttausende von Truppen anrücken, bis die Insel besetzt wäre. Das wäre jedenfalls der Plan. Der Erfolg der PLA bei einem solchen Unterfangen ist sehr unklar. Aber sie könnten bei dem Versuch verdammt viel Schaden anrichten. Und ja, es könnte ihnen tatsächlich gelingen, zumindest teilweise, z. B. indem sie die Region um Taipeh einnehmen und halten.


Szenario 5: Worst-Case-Szenario (ohne Atomwaffen). Vollständige Luft- und Seeblockade, massive Angriffe mit ballistischen Raketen auf militärische Ziele, massiver Cyberangriff, aggressive See- und Luftangriffe, um Taiwans Streitkräfte zu schwächen und eine Überlegenheit auf dem Schlachtfeld zu erreichen, gefolgt von Luftangriffen durch Jagdflugzeuge und Bomber auf militärische Ziele und Flächenbombardements auf zivile Ziele. Es kommt zu massiven Verlusten, und Taiwan wird mit brachialer Gewalt niedergeschlagen, kapituliert, woraufhin die Besatzer in das Land eindringen und es übernehmen.


Gestern warnte bereits das offizielle Sprachrohr der Chinesen, die Global Times vor einer Reaktion Pekings und umfänglichen Vergeltungsmaßnahmen gegen Taiwan und die Biden-Administration. Zudem sieht das Medium eine noch drastischere Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China als unumgänglich, sollte Pelosi den Besuch wirklich antreten.



Quellen:


(1) https://www.ft.com/content/a2a69c08-b327-4a4d-99ff-20f92a4437f3

(2) https://www.straitstimes.com/asia/east-asia/nancy-pelosi-to-visit-taiwan-on-tuesday-taiwan-media

(3) https://thecultureshack.blog/2022/07/28/red-clouds-of-war-looming-over-taiwan/



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