Spiel mit dem Feuer: Litauen will russische Enklave Kaliningrad isolieren

Litauen hat angekündigt, die russische Enklave Kaliningrad sanktionieren und damit isolieren zu wollen. Dabei soll der gesamte Handelsverkehr von Russland aus über den Nachbarstaat Weißrussland nach Kaliningrad und wieder zurück über Litauen abgeschnitten werden. Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer.

Die litauische Regierung hat, unabhängig von den EU-Sanktionen gegen Russland nun eigene Maßnahmen gegen Moskau verhängt und will die russische Enklave Kaliningrad von der Außenwelt isolieren. Dabei will der baltische Staat den Warenverkehr von EU-sanktionierten Produkten durch sein Territorium nach Kaliningrad blockieren. Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer, denn Russland könnte seinerseits militärisch auf die Blockade reagieren oder sogar die Stromversorgung Litauens attackieren.


Vergangenen Samstag erklärte die litauische Regierung in Vilnius, dass demnächst Sanktionen gegen Kaliningrad in Kraft treten würden, die eine Blockade des gesamten Warenverkehrs von Russland über den Nachbarn Weißrussland nach Kaliningrad und wieder zurück über den NATO-Staat Litauen betreffen würde. Dabei handelt es sich vor allem um Waren, die unter EU-Sanktionen stehen, wie Metalle, Baumaterialien, Kohle und sogenannte "fortgeschrittene Technologien". Man muss bedenken, dass circa 50 Prozent aller Waren für Kaliningrad über die Eisenbahnverbindung in die Enklave gelangen, die über Litauen führt. Daher ist bei einer Blockade davon auszugehen, dass sich die Versorgungslage in der russischen Enklave deutlich verschlechtern wird.


Man kann sicher davon ausgehen, dass sich die baltischen Staaten aber auch andere osteuropäische, anti-russisch eingestellte Länder wie Polen die Hoffnung auf einen militärisch durchgesetzten Korridor der Russen machen werden, um dann selber einen Grund für einen Gegenschlag zu haben. Doch ob Moskau auf diesen plumpen Versuch hereinfallen wird und sich dadurch in einen Krieg gegen ganz Osteuropa und damit auch gegen die NATO hereinziehen lassen wird, ist eher unwahrscheinlich. Experten gehen eher von einer gespiegelten Reaktion Moskaus auf eine Blockade aus. Dazu schrieb die russische Webseite "StalkerZone":


„Für einige war der Vorfall ein Grund, den Suwalki-Korridor und die Aussicht auf eine endgültige Lösung des Problems mit militärischen Mitteln in Erinnerung zu rufen. Im Prinzip gibt es dafür eine rechtliche Grundlage. Der Kaliningrader Transit ist integraler Bestandteil des Pakets von Vereinbarungen zwischen Litauen, Russland und der Europäischen Union. Nachdem er garantiert wurde, erhielt Litauen die Ratifizierung des Staatsgrenzvertrags. Im Falle einer einseitigen Verletzung der Transitvereinbarungen durch Vilnius geht die Legitimität der Grenze verloren, und Moskau erhält das Recht, die Grenze zu ziehen, wo immer es das für richtig hält. Aber das ist immer noch eine extreme Option. Natürlich sind die Risiken eines direkten Zusammenstoßes zwischen Russland und der NATO gestern deutlich gestiegen, und es gibt genügend Interessenten im Ausland, die, da die Ukraine nicht durchhält, versuchen, das Risiko zu erhöhen, indem sie auch das Baltikum in den Ofen werfen. Ich hoffe, dass es diesmal keinen Weltkrieg geben wird, aber ein Nervenkrieg lässt sich nicht vermeiden.“

Es ist gewiss ein "Nervenkrieg" für Gesamteuropa und der plumpe Versuch Litauens, Moskau auf diesem Weg zu provozieren und in einen militärischen Konflikt zu ziehen, passt perfekt ins Bild westlicher Nadelstiche gegen Russland. Doch einige russische Experten gehen eher davon aus, dass Moskau Schläge gegen die Stromversorgung Litauens durchführen wird, denn nahezu alle baltischen Staaten sind noch an das ehemalige Versorgungsnetz der Sowjetunion angeschlossen. Darunter versteht man den sogenannten "BRELL-Ring", der die Energieversorgungsinfrastruktur von Litauen, Estland, Weißrussland und Lettland umfasst. Zudem hat Litauen seit der auf Druck der Europäischen Union verpflichteten Abschaltung seines Atomkraftwerks in Visaginas keine Autonomie über die eigene Stromversorgung mehr.


Die russische Enklave Kaliningrad wurde im Gegensatz dazu von Moskau in den vergangen Jahren so ausgerüstet, dass sie sich selbst mit Energie versorgen kann, Litauen müsste bei einer Unterbrechung der Energie Strom vom verhassten Nachbarn Weißrussland kaufen, was für Vilnius aber nicht in Frage kommt. So oder so werden die Russen auf ihre eigene Art und Weise auf die Blockade Kaliningrads reagieren. Militärische Interventionen sind wohl eher nicht zu befürchten, obwohl das angesprochene trilaterale Abkommen auch diese möglich machen würden. Moskau wird eher dort den Druck erhöhen, wo es den einfachen Bürgern Litauens am meisten weh tun wird, bei der Energieversorgung. Ein gefährliches Spiel ist der Sanktionsirrsinn auf jeden Fall.




Quellen:


(1) https://www.reuters.com/world/europe/lithuania-says-sanctions-goods-kaliningrad-take-effect-saturday-2022-06-18/

(2) https://www.stalkerzone.org/the-blockade-of-kaliningrad-how-russia-can-punish-lithuania/

(3) https://www.artikeleins.info/post/ukraine-solange-blockade-von-getreideexport-bis-der-westen-die-gew%C3%BCnschten-waffen-liefert


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