Putin ist böse, Nord-Stream-2 ist Geschichte und der Gewinner sind die USA

Deutschland hat im Zuge der Ukrainekrise seine Gasversorgungssicherheit über den Haufen geworfen. Mit dem Stopp der Pipeline Nord-Stream-2 geht aus dem ganzen Theater genau ein Sieger hervor - und das sind die USA.


Die Gaspipeline Nord-Stream-2 ist auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet, da man aufgrund der jüngsten Ereignisse wohl kaum erwarten kann, dass die Pipeline jemals zugelassen wird und Europa mit Gas versorgt. Aus der ganzen Geschichte geht genau ein Sieger hervor und das nicht nach Punkten sondern mit dem endgültigen KO-Schlag von Europas Versorgungssicherheit und der somit hergestellten Abhängigkeit von Fracking-Gas. Und dieser Sieger sind die Vereinigten Staaten.


Denn in Washington wird jetzt gefeiert. Durch geschicktes Einkesseln und Zurückdrängen der Russen ist es den USA gelungen, Putin zur Anerkennung der Donbass-Republiken zu zwingen. Annalena Baerbock kündigte schon vor einigen Tagen in Kiew an was jetzt Realität geworden ist:


„Wir sind bereit, für die Sicherheit der Ukraine einen hohen wirtschaftlichen Preis zu zahlen“

Dass die Grünen ohnehin kein Fan der Pipeline waren ist klar aber als Baerbock von "wir" sprach, fragte ich mich ernsthaft wen sie damit genau meinte. Aber auch ihr Kollege, Wirtschafts-Superminister Habeck kündigte ja bereits an, dass Nord-Stream-2 gestoppt werden soll und die Gaspreise steigen werden.


Für Europas ohnehin schon bedrohliche Gasknappheit ist der Stopp der Pipeline eine mittlere bis schwere Katastrophe denn die Gaslieferungen aus Russland können unmöglich durch amerikanisches Flüssiggas ersetzt werden, denn es gibt alleine schon unzureichend wenige Flüssiggas-Terminals für die 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die von der EU jedes Jahr aus der Russischen Föderation importiert werden. Zudem geht das meiste Flüssiggas direkt in die asiatischen Staaten unter anderem nach China und die wären sicher nicht begeistert, wenn sie aufgrund der EU jetzt plötzlich weniger Importe bekommen würden. Auch zahlen die Asiaten mehr für das Gas als die EU, was bedeutet dass in Zukunft wohl der Höchstbietende die Lieferungen bekommt.


Und ungeachtet dessen reichen die weltweiten Reserven an Flüssiggas ohnehin nicht aus um beide Kontinente gleichzeitig ausreichend zu versorgen. Russlands ehemaliger Ministerpräsident Medwedew twitterte zu dem Theater in deutscher Sprache einen passenden Kommentar:


„Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Stopp der Zertifizierung der Gaspipeline Nord Stream 2 angeordnet. Na ja. Herzlich willkommen in einer neuen Welt, wo die Europäer bald schon 2000 Euro pro Kubikmeter Gas zahlen werden!“

Der Preis für Gas wird durch diese Kurzsichtigkeit der Politik demnach weiter nach oben getrieben, von einer Verzehnfachung ist bereits die Rede. Und da der europäische Energiebedarf keinesfalls sinken sondern eher noch steigen wird ist es durchaus möglich, dass man Europa ohne die Pipeline Nord-Stream-2 nicht versorgen kann. Denn aufgefüllt werden die Tanks innerhalb der EU im Sommer und da diese so leer sind wie nie zuvor und jetzt auch noch Nord-Stream-2 gestoppt wurde, kann alleine aus zeitlichen Gründen nicht rechtzeitig nachgefüllt werden.


Die weiteren Gründe für die Energiekrise in Europa sind der kalte letzte Winter in dem viel Gas verbraucht wurde. Europas Gasspeicher wurden während des Sommers aber statt zu 100 Prozent nur zu 75 Prozent nachgefüllt. Windkraft und Sonnenenergie konnten aufgrund der Flauten nur schwer zu einem Ausgleich beitragen, diverse europäische Politiker wollen zudem mehr amerikanisches Flüssiggas einkaufen. Dieses wird jedoch vermehrt in den asiatischen Raum geliefert weil dort einfach mehr gezahlt wird. Europa geht zunehmend leer aus. Zudem wurde Gas innerhalb Europas zu einem Spekulationsobjekt was zur Folge hat, dass die Importeure an den Börsen mehrere hundert Prozent Gewinn damit einstreichen können.


Und auch gegenüber den, an der Pipeline beteiligten Unternehmen muss die Bundesrepublik Unmengen an Schadenersatz zahlen, denn wenn die Investitionsprojekte aufgrund staatlicher Änderungen nicht mehr umgesetzt werden, haftet der jeweilige Staat und muss die vielen Milliarden die investiert wurden und eventuell sogar die entgangenen Gewinne der beteiligten Konzerne ersetzen. Und wir sprechen hier von einem Anteil europäischer Firmen von 50 Prozent, die an dem Bau von Nord-Stream-2 beteiligt waren. Das und die steigenden Energie- und Gaskosten der Endverbraucher sind dann wohl der "hohe wirtschaftliche Preis" von dem Deutschlands Außenministerin sprach.


Die Russen hingegen werden durch die Einstellung der Pipeline einen eher geringen Schaden davontragen. Die Investitionen der russischen Konzerne sind zwar futsch und die Gewinne durch den Erdgasverkauf kann man auch nicht mehr einstreichen aber insgesamt fällt der wirtschaftliche Anteil am Verkauf von Gas in Russland eher gering aus. Und mit den Chinesen hat Russland ohnehin einen anderen zuverlässigen und zahlungskräftigen Partner, der das Erdgas aus Russland gerne nimmt.


Als ultimativer Sieger der ganzen Geschichte gehen wie schon gesagt die Vereinigten Staaten hervor, denn deren Geostrategen gaben schon in den 1990er Jahren das Ziel aus, die Ukraine von Russland loszulösen und es auch nicht zuzulassen, dass sich Deutschlands Wissen und Russlands Rohstoffe zu einer Macht verbinden, denen die USA unterlegen gewesen wäre.


Zbigniew Brzeziński, unter anderem Präsidentenberater unter Carter zeichnete Russlands Schicksal in seinem berühmten Buch "The Great Chessboard" (Die einzige Weltmacht, deutsche Ausgabe) ohne die Ukraine auf. Demnach würde die Russische Föderation mit der Ukraine eine Weltmacht von internationaler Bedeutung sein aber ohne sie nur eine kleine Regionalmacht.


Im Jahr 2014 wurden Brzezińskis Vorstellungen in einem "Bilderbuchputsch" auf dem Kiewer-Maidan umgesetzt, denn die nach den dortigen Unruhen radikal-nationalistische neue Regierung tat alles dafür, die wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland abzubrechen und einen Bürgerkrieg in der Donbass-Region anzuzetteln. Das "Anti-Terrorgesetz" vom 6. April 2014 beschloss den Angriff der ukrainischen Armee auf den Donbass und die CIA hatte in Form ihres Direktors John Brennan die Finger direkt im Spiel. Der war nämlich zur selben Zeit als das "Anti-Terrorgesetz" beschlossen wurde unter falschem Namen in Kiew und war gleich Teilnehmer an der Sitzung in der der Angriff beschlossen wurde. Und solange die Angriffe laufen sind Russland und die Ukraine getrennt und die USA haben somit genau was sie wollen.


Die Anerkennung der Republiken Lugansk und Donezk ist ein weiterer willkommener Anlass für die US-amerikanischen Geostrategen und Falken ihre antirussische Propaganda im Westen auf fruchtbaren Boden fallen zu lassen. Und genau das geschieht nun ja auch. Nord-Stream-2 ist auch Geschichte und die Amerikaner können nun fleißig umweltschädliches Fracking-Gas exportieren und sich damit zu einem der größten Gaslieferanten der Welt mausern. Es läuft für die USA also alles wie am Schnürchen und Deutschland und die EU helfen dabei mit, dass das auch so bleibt, selber gehen sie wirtschaftlich aber zu Grunde.


Quellen:


(1) Baerbock: „Sind bereit, für Sicherheit der Ukraine hohen wirtschaftlichen Preis zu zahlen“ - WELT

(2) Wirtschaftsminister Habeck stimmt auf steigende Gaspreise ein — RT DE

(3) Weißes Haus bestätigt jüngsten Besuch von CIA-Chef Brennan in Kiew | Politik | RIA Novosti (archive.org)

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