Mainstream-Journalisten unzufrieden: Fast die Hälfte zweifelt an objektiver Pressearbeit

Eine Umfrage der Otto-Brenner-Stiftung ergab, dass fast die Hälfte der Mainstream-Journalisten Zweifel an der objektiven Berichterstattung hat und sie besonders schwer vom Vertrauensverlust der Konsumenten mitgenommen sind. Fast zwei Drittel der befragten Journalisten fühlen sich in ihrer Branche nicht mehr wohl.

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Im Mainstream köchelt es und es entwickelt sich eine massive Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern der Verlage und TV-Sender. Das ergab eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung, die bei einer Online-Umfrage 161 Medienschaffende befragte. Von den Teilnehmern fühlten sich knapp zwei Drittel in ihrer Branche nicht mehr wohl und dachten im letzten Jahr sogar ans Aufhören. Besonders Jüngere wollten dem Mainstream den Rücken kehren, vor allem wegen des hohen Vertrauensverlusts der Konsumenten in die Medien, den ökonomisch schlechter werdenden Verhältnissen und dem "digitalen Wandel".


Mehr als 50 Prozent der Befragten halten die Kritik an einseitiger und unausgewogener Berichterstattung der Mainstreammedien für mindestens bedingt korrekt, nur 47 Prozent der Journalisten sind von einer objektiven Berichterstattung noch überzeugt. Von ihrer eigenen Objektivität sind 75 Prozent der Medienschaffenden weiterhin überzeugt, 70 Prozent halten die eigene Arbeit für ausgewogen und 88 Prozent sind sich sicher, nicht von der Politik instrumentalisiert zu werden.


In der Studie gab es zwei Bereiche: einen quantitativen Teil und einen qualitativen Teil. Der qualitative Teil bestand aus 20 Interviews mit Journalisten die hauptberuflich in der Branche arbeiten, zwölf für Printmedien, drei beim Radio, vier für TV-Sender und einer davon nur für eine Internetplattform. Drei der Printredakteure und ein TV-Mann sagten, dass sie inzwischen auch regelmäßig für Internetplattformen ihrer Medien arbeiten würden. Für 35 Prozent der Teilnehmer sei die größte Sorge der immer stärker werdende "Qualitätsverlust" bei ihren Medien und beim Mainstream insgesamt. Sie sehen das als Ergebnis "einer weiter gewachsenen Arbeitsbelastung und zu noch größerem Zeitdruck im Kontext der Digitalisierung, zur Ökonomisierung ihres beruflichen Handelns oder zu mangelnder Unterstützung seitens des Medienmanagements. Darüber hinaus geben 95 Prozent der Studienteilnehmer an, dass ein Vertrauensverlust des Journalismus vorliege und es Vorurteile bzw. Vorwürfe der Öffentlichkeit gegenüber dem Berufsstand gebe."


Am meisten sahen sich die Umfrageteilnehmer jedoch mit der "einseitigen Berichterstattung" konfrontiert und den, vom Publikum daraus einhergehenden Vorwürfen. In der Studie heißt es:


"Die Studienergebnisse zeigen zudem, dass 55 Prozent der befragten Medienschaffenden die Publikumskritik am Journalismus für bedingt richtig hält."

Hört sich nicht gerade danach an, als seien diese Journalisten von der eigenen Arbeit noch überzeugt. Zwei Drittel oder knapp 60 Prozent der Journalisten sei schon vor der Arbeit müde und drei Viertel beschwerten sich über Einsparungen auf finanzieller aber auch auf persönlicher Ebene. Weitere 40 Prozent würden sich von ihrer Arbeit "emotional ausgelaugt" fühlen. Die Studienautoren folgerten aus ihren Ergebnissen, dass die Interessenvertretungen und auch die Medienkonzerne "gemeinsame Maßnahmen des psychologischen Gesundheitsmanagements entwickeln" sollten um diesen negativen Entwicklungen entgegenzusteuern.


Die Frage an die Journalisten, ob sie glauben, dass ihr eigener Konzern eher finanzielle statt publizistischer Ziele verfolge beantworteten 37,2 Prozent mit eher nicht, 38,4 Prozent mit eher ja. Ein Viertel der Studienteilnehmer gab an, dass ihr eigener Arbeitgeber die Qualität zugunsten der Schnelligkeit hinten anstellen würde.


Quellen:


(1) https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AP55_Medienmacher_innen.pdf


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