Lobbyorganisation? Bundesgesundheitsministerium gründet neues Zentrum für Impfstoffe (ZEPAI)

Aufgrund der erkennbaren Überlastung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nun ein neues Zentrum für Pandemie-Impfstoffe und- Therapeutika (ZEPAI) gegründet. Eine weitere Lobbyorganisation für Big-Pharma?

Aufgrund der offensichtlichen Überlastung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ein neues Zentrum für Pandemie-Impfstoffe und- Therapeutika (ZEPAI) gegründet. Vieles an der Organisation riecht nach einem neuerlichen Lobbyapparat für die Pharmaindustrie. Auf der Seite des PEI wird die Gründung des neuen Zentrums folgendermaßen erklärt:


"Impfstoffe gehören zu den wirksamsten Instrumenten im Kampf gegen die Ausbreitung von Erregern. Therapeutika können in der Frühphase der Pandemie schwere Verläufe einer pandemischen Infektionskrankheit mildern. Um für zukünftige Pandemien bestmöglich gerüstet zu sein, hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) am Paul-Ehrlich-Institut (PEI) das Zentrum für Pandemie-Impfstoffe und -Therapeutika – kurz ZEPAI – errichtet. Prof. Dr. Isabelle Bekeredjian-Ding wurde zur kommissarischen Leiterin ernannt."

Die kommissarische Leiterin des ZEPAI Prof. Dr. Isabelle Bekeredjian-Ding hat einen interessanten Lebenslauf, der bei der Bundesärztekammer gefunden werden kann. Seit dem Jahr 2015 ist sie beim PEI beschäftigt und ist dessen Vertreterin bei der Ständigen Impfkommission (STIKO). Außerdem war sie "Mitglied der Pandemic Task Force und der Vaccines Working Party der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) sowie Vorsitzende des wissenschaftlichen Komitees der Innovative Medicines Initiative 2 (IMI2). Dadurch verfügt Frau Prof. Dr. Bekeredjian-Ding über mehrjährige Erfahrungen in einer der weltweit bedeutendsten öffentlich-privaten Partnerschaften im Gesundheitswesen."


Die Innovative Medicines Initiative (IMI) beschreibt sich auf der eigenen Webseite so:


"We are an EU public-private partnership funding health research and innovation."

Öffentlich-rechtliche Partnerschaft also. Schon wieder. Und wen findet man hier, zum gefühlt tausendsten Mal? Sie werden es erraten, die Bill & Melinda Gates Stiftung die zusammen mit der Innovative Medicines Initiative (IMI) bereits im Jahr 2014 ein gemeinsames Projekt zur Entwicklung von Impfstoffen und Arzneimitteln in der Zukunft gestartet haben. Damals ging es offiziell um eine Kampagne gegen Keuchhusten. Das Budget belief sich auf 115 Millionen Euro, die Gates-Stiftung steuerte einen großen Anteil dazu bei. Auf der Webseite der IMI finden sich dazu folgende Angaben:


"Die Initiative Innovative Arzneimittel (IMI) und die Bill and Melinda Gates Foundation arbeiten gemeinsam an einem Projekt zur Verbesserung von Impfstoffen gegen Keuchhusten.
[…]
Es ist nicht hinnehmbar, dass eine durch Impfung vermeidbare Krankheit wie Keuchhusten nach wie vor eine der Haupttodesursachen für junge Menschen auf der ganzen Welt ist“, sagte Trevor Mundel, Präsident des Bereichs Global Health der Bill & Melinda Gates Foundation. Wir freuen uns, mit der Innovative Medicines Initiative in einem so wichtigen Bereich der globalen Gesundheitsforschung zusammenzuarbeiten, um wirksamere Impfstoffe zu finden und zu entwickeln, denn wenn Kinder gesünder sind, gedeihen Gemeinschaften und Volkswirtschaften."

Das ZEPAI beschreibt seine Handlungsfelder unterdessen folgendermaßen:


  1. Herstellung und Lagerung: Das ZEPAI begleitet und unterstützt den gesamten Prozess der Herstellung von Impfstoffen durch geeignete Infrastrukturmaßnahmen.

  2. Monitoring und Steuerung: Das ZEPAI baut digitale Datenerfassungs- und Monitoring-Strukturen auf, um die Beschaffung und Verteilung der Impfstoffe und Therapeutika effizient, zielgerichtet und zukunftsfähig zu gestalten.

  3. Netzwerkbildung: Um Impfstoffe und Therapeutika im Pandemiefall zeitnah zu entwickeln, herzustellen und zu verteilen, ist eine exzellente Vernetzung aller Beteiligten wesentlich. Daher wird das ZEPAI zuverlässige Kommunikationswege mit den nationalen und internationalen Akteuren sicherstellen. Das ZEPAI verfolgt das Ziel, strategische Kooperationen mit pandemierelevanten öffentlichen Institutionen und privaten Unternehmen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene anzubahnen und zu unterstützen.

  4. Expertise: Das ZEPAI stellt seine gebündelte Expertise allen Stakeholdern zur Verfügung, die Austausch und Beratung zu innovativen Lösungen für die operative Pandemievorsorge suchen.

Als Fazit lässt sich eine erneute Lobbyorganisation für die Pharmaindustrie erkennen, finanziert von den Steuergeldern der einfachen Bürger. Und das mit einer kommissarischen Leiterin die schon einschlägige Erfahrungen im Bereich öffentlich-private Partnerschaften, unter anderem mit der Gates-Stiftung hat. Die Zukunft wird toll, denn auf kommende Pandemie sind wir dank des ZEPAI nun bestens vorbereitet.


Quellen:


(1) https://www.pei.de/DE/institut/zepai/zentrum-pandemie-impfstoffe-therapeutika-inhalt.html

(2) https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/WB/Lebenslaeufe/Bekeredjian-Ding.pdf

(3) http://we%20are%20an%20eu%20public-private%20partnership%20funding%20health%20research%20and%20innovation/

(4) https://www.imi.europa.eu/

(5) https://www.imi.europa.eu/news-events/press-releases/imi-launches-eu115-million-calls-proposals-develop-vaccines-medicines

(6) https://www.pei.de/DE/institut/zepai/zentrum-pandemie-impfstoffe-therapeutika-inhalt.html





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