Krieg und die scheinheilige Heuchelei der Doppelmoralisten

Russland hat die Ukraine angegriffen und in Deutschland gehen Hunderttausende auf die Straßen um für das Ende des dortigen Krieges zu demonstrieren. Aber wo waren diese ganzen Menschen in den letzten 30 Jahren?


Der Krieg in der Ukraine ist ein weiteres eindrucksvolles Beispiel für die Lenkung und politische Instrumentalisierung der Bürger durch die Massenmedien. Klar, der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ist zu verurteilen denn er stellt einen klaren Verstoß gegen das UNO-Gewaltverbot dar aber wo waren denn bitte all die hunderttausend Menschen, die am Sonntag in Berlin für den Frieden und einen Stopp der Militäroperationen Russlands demonstriert haben in den letzten 30 Jahren als die USA unzählige illegale Angriffskriege geführt haben, die aber in den Medien nicht so populär dargestellt wurden?


Einerseits ist es gut, dass die Menschen erkennen, dass Krieg immer schlecht ist und dagegen protestieren aber diese späte und von den Massenmedien projizierte Erkenntnis hilft den vielen Millionen Toten und fast 60 Millionen Kriegsflüchtlingen der letzten 25-30 Jahre auch nicht mehr. Denn so viele Menschen waren in der jüngeren Vergangenheit Opfer vor allem US-amerikanischer Angriffskriege oder sind es noch immer aber unbemerkt von der Weltöffentlichkeit. Oder haben sie in den letzten Monaten Meldungen über die nach wie vor schwelenden Konflikte in Syrien und dem Genozid im Jemen gehört? Nein? Natürlich nicht, denn darauf wird die mediale Aufmerksamkeit auch nicht gelenkt.


Stattdessen wird mit falschen Bildern gearbeitet und behauptet Russlands Militär bombardiere weitestgehend zivile Ziele ohne dafür allerdings Beweise zu bringen. In Kiew gibt es Schießereien, ja aber von flächendeckendem Bombardement und Chaos ist auf den Webcams der Stadt, die live von dort übertragen nicht viel zu sehen. Im Gegenteil, in der ukrainischen Hauptstadt bekommen sogar entlassene Häftlinge eine Waffe in die Hand gedrückt wenn sie sich nur ausweisen können. Und die wiederum gehen dann los und plündern Geschäfte oder überfallen unschuldige Zivilisten.


Bei den Kriegen der US-Amerikaner sah das aber meist ganz anders aus. Stromversorgungen wurden gekappt und dadurch entstand Chaos und Angst in der Zivilbevölkerung in ohnehin schon armen Ländern wie dem Irak oder Libyen.


Im Irakkrieg 2003, der komplett illegal war starben alleine im ersten halben Jahr 60 000 Zivilisten, im Jahr 2006 wurde gar von 655 000 Opfern gesprochen. Der Irakkrieg gründete auf der Kriegslüge von Massenvernichtungswaffen und bis heute sterben in dem von den USA in ein Trümmerfeld verwandelten Land jeden Tag Menschen. Außerdem erwuchs aus den Ruinen dieses völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der Islamische Staat (IS), der in der Folge eine Welle des Terrors über den gesamten Nahen Osten und auch bis nach Europa brachte. Der IS ist ein Kind der USA. Protestiert wurde gegen diese Invasion der Amerikaner die gegen das UNO-Gewaltverbot verstieß nie in dem Ausmaß, wie das am Sonntag gegen die illegale Invasion der Russen in der Ukraine geschehen ist. Eine andere unrühmliche Geschichte dieses Krieges ist die Inhaftierung des Journalisten Julian Assange, der US-Kriegsverbrechen aufgedeckt hatte und dafür bis heute im Gefängnis sitzt. Die Urheber des Massenmordens rund um Ex-Präsident Bush sind aber nach wie vor auf freiem Fuß. Demonstrationen gegen diese unfairen Zustände? Fehlanzeige.


Nach illegalen Kriegen der USA in Panama, Nicaragua, Laos, Korea und Vietnam, die durchaus noch von einer großen Friedensbewegung kritisiert wurden, bombardierte die von den USA angeführte NATO im Jahr 1999 Jugoslawien und auch dieser Angriff war illegal. Dabei wurden nach offiziellen Angaben 528 Zivilisten umgebracht, der Krieg wurde mit der Kriegslüge verteidigt, dass die Serben angeblich einen Völkermord an den Kosovaren verüben würden. Das war aber gelogen, denn es gab nie einen Genozid an den im Kosovo lebenden Albanern, es handelte sich um reine Kriegspropaganda, die ausschließlich dazu diente, eine Rechtfertigung einer US-Militärbasis in der Gegend zu haben.


Heute sind große Gebiete Serbiens radioaktiv kontaminiert, weil die damaligen NATO-Streitkräfte Uranmunition einsetzten. Die Krebsrate unter der örtlichen Bevölkerung schnellte in die Höhe und auch einige Soldaten der NATO-Staaten sind davon bis heute gesundheitlich stark eingeschränkt, wenn sie denn überhaupt noch leben. Der Einsatz der radioaktiven Munition hatte im Jahr 2021 eine Klage von knapp 2000 Opfern gegen die NATO zur Folge, die NATO streitet eine Verbindung der Krebsraten mit der Uranmunition allerdings ab.


Im Jahr 2001 griffen die von der USA angeführten NATO-Staaten in einem weiteren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Afghanistan an, weil sie das Land in Verbindung mit den bis heute nicht aufgeklärten Terroranschlägen des 11. September 2001 in Verbindung brachten und deren angeblichen Drahtzieher Osama bin Laden in dem Land vermuteten. Problem bei dieser Argumentation der USA war aber, dass an 9/11 kein einziger Afghane beteiligt war, sondern vor allem und wenn überhaupt Saudis (Osama bin Laden war Saudi). Da man mit Saudi-Arabien allerdings einen wichtigen kriegerischen und wirtschaftlichen Verbündeten im Mittleren Osten hatte, griff man stattdessen Afghanistan an und das obwohl die Anschläge vom 11. September 2001 nach wie vor nicht geklärt sind. Vor allem der Einsturz von World Trade Center 7, dem dritten Turm der an diesem Tag in sich zusammenstürzte, und das ohne von einem Flugzeug getroffen worden zu sein, sorgt bis heute für Diskussionen in der Welt der Ingenieure und Statiker.


In Afghanistan starben bislang knapp 71 000 Menschen in Folge des illegalen Angriffskrieges der USA und das sind nur die offiziellen Zahlen. Experten gehen von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. Fakt ist, Afghanistan war ein illegaler Angriffskrieg der USA, denn es gab keine Resolution des UN-Sicherheitsrates, welche das Selbstverteidigungsrecht der Vereinigten Staaten nach 9/11 legitimiert hätte. Die deutsche Friedensbewegung nahm die Invasion aber ohne großes Murren einfach so hin.


Im Jemen starben laut Zahlen der Vereinten Nationen bislang knapp 350 000 Menschen und der Krieg dort ist täglich im Gange. Ich habe selber knapp zwei Jahre im Nachbarland Oman gelebt und es ist nicht möglich, die Grenze in den Jemen ungehindert zu passieren. Geführt wird der Krieg von einer Allianz aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit freundlicher militärischer Unterstützung der USA aber auch Deutschlands. In den Medien meist totgeschwiegen, ist dieser schreckliche Konflikt kein Thema für die Friedensbewegung.


Im Jahr 2011 überfiel eine Allianz der NATO-Staaten Libyen um den dortigen Machthaber Gaddafi zu stürzen. Das Land wurde komplett destabilisiert, Gaddafi grausam gepfählt, Angaben zu Opferzahlen sind schwer zu finden aber es dürften viele hunderttausend sein. Die Medien schweigen weitestgehend über den Failed-State Libyen und auch die Friedensbewegung zeigte in der Vergangenheit wenig bis gar kein Interesse an dem Land und den dortigen, vom Westen verursachten Zuständen. Doch man muss wissen, dass der Libyen-Krieg die Hauptursache für die massive Flüchtlingswelle ab dem Jahr 2015 ist. Denn seitdem kommen die Menschen unter grausamen Voraussetzungen und teilweise in Schlauchbooten über das Mittelmeer nach Europa. Viele erreichen das Festland erst gar nicht, sondern ertrinken qualvoll auf offener See.


Und auch der Krieg in Syrien ist kein, wie es die westlichen Medien immer gerne darstellen, Bürgerkrieg. Die wahren Gründe erfährt der Tagesschauzuseher leider nicht, aber bis heute sind in Syrien schon 600 000 Menschen gestorben. Die eigentliche Ursache des Konflikts ist die, dass die USA seit Jahren radikale islamische Rebellen gegen Syriens Präsident Assad bewaffnen und in den Kampf schicken und diese radikalen Islamisten kommen nahezu alle aus dem Irak, der bekannterweise schon 2003 von den USA destabilisiert wurde.


Mit der CIA-Operation Timber Sycamore bewaffneten die Amerikaner radikale Kräfte in Syrien und lieferten ihnen militärisches Gerät im Wert von knapp 500 Millionen US-Dollar. Und mit diesen Waffen sollen die Islamisten Assad stürzen und aus dem Amt jagen. Wo ist die Friedensbewegung im Syrien-Konflikt? Schaut wohl Netflix oder lässt sich von der Bundesregierung wieder irgendwelche sinnfreien Corona-Maßnahmen diktieren.


Und auch wenn die USA nicht gerade in irgendwelche Staaten offiziell einfallen, sind sie doch dauerhaft im Krieg. Denn seit einigen Jahren führt das Pentagon einen Drohnenkrieg, vor allem im Nahen- und Mittleren Osten und achtet dabei wenig bis gar nicht auf den Verlust ziviler Opfer. Tausende dieser "Kollateralschäden" gehen auf das Konto der Amerikaner, denn es passiert immer wieder, dass neben den eigentlich von den US-Geheimdiensten anvisierten und zum Abschuss freigegebenen Zielen, Zivilisten bei den Drohnenangriffen sterben. Die New York Times fand heraus, dass das Pentagon die Anzahl getöteter Zivilisten künstlich nach unten korrigiert. Einer Studie der Brown-University zufolge haben die geführten Kriege der USA seit dem Jahr 2001 für massive Verluste gesorgt. Hier ein kleiner Auszug:


In den Donbass-Republiken werden seit mindestens dem Jahr 2014 viele Zivilisten getötet. Und zwar von Kiew, nicht von den pro-russischen Rebellen, wie so oft behauptet wird. Berichten der OSZE zu Folge wurden demnach 75 Prozent aller getöteten Zivilisten von der ukrainischen Armee umgebracht. Doch auch darüber wird in unseren westlichen Medien nicht berichtet und auch die Bundesregierung hält sich mit Kritik an den ukrainischen Machthabern zurück.


Doch jetzt hat Russland angegriffen und die Medien kennen kein anderes Thema mehr. Ich halte den Angriff auf die Ukraine für falsch und illegal, da auch er gegen das UNO-Gewaltverbot verstößt aber die Heuchelei der deutschen Doppelmoralisten wenn es um Krieg und Frieden geht ist nicht mehr auszuhalten.


Quellen:


(1) Ex-Militär wird aus Gefängnissen in der Ukraine entlassen, um an Feindseligkeiten teilzunehmen - International Panorama - TASS

(2) Zweiter Golfkrieg: Blutiges Öl – 60.000 Tote in sieben Monaten - Video - WELT

(3) Study Claims Iraq's 'Excess' Death Toll Has Reached 655,000 (washingtonpost.com)

(4) Civilian Deaths in the NATO Air Campaign - The Crisis in Kosovo (archive.org)

(5) Fehler 404 - Außenministerium der Russischen Föderation (mid.ru)

(6) afghanische Zivilisten | Kriegskosten (brown.edu)

(7) https://youtu.be/0Q0ujq7L7EU

(8) Syrien-Krieg: UNO berechnet neue Zahl von Todesopfern - BBC News

(9) Obama-Regierung beendet Bemühungen, Syrer im Kampf gegen ISIS auszubilden - The New York Times (nytimes.com)

(10) Hidden Pentagon Records Reveal Patterns of Failure in Deadly Airstrikes - The New York Times (nytimes.com)

(11) Microsoft Word - Displacement_Vine et al_Costs of War 2020 09 21.docx (brown.edu)

(12) Zivile Opfer in den vom Konflikt betroffenen Regionen der Ostukraine | OSZE (osce.org)



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