Epstein-Fall: Ghislaine Maxwell ist schuldig aber die Medien verschweigen fast alle Hintergründe

Warum bohren die Medien im Fall des Schuldspruchs über Ghislaine Maxwell nicht nach? Die "Assistentin" von Jeffrey Epstein wurde schuldig gesprochen, aber die "Qualitätspresse" hakt nicht nach, weswegen?


Warum nur schweigen die Medien immer dann, wenn es um wirklich ekelhafte Sachverhalte bei den sogenannten Eliten geht? Gute Frage, klar ist aber dass Jeffrey Epstein Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen hat. Seltsam daran ist, dass unsere "Qualitätsjournalie" keinerlei weitergehende Fragen hat.


In Kinderpornoringen werden ja selbstverständlich auch nicht nur die "Produzenten" der widerlichen Videos verfolgt und zur Rechenschaft gezogen, sondern auch die "Konsumenten" und Käufer dieser Filme. In diesen Fällen leisten die Pressorgane und TV-Sender meist überdurchschnittlich gute Arbeit, nämlich indem sie die Täter aber auch deren "Kundschaft" rigoros medial verfolgen und bestraft sehen wollen.


Im Fall Epstein ist das aber komischerweise ganz anders, denn die Medien fragen eigentlich nie danach, wer denn Epsteins "Kunden" waren, die nicht nur Bilder und Filmchen bei ihm erworben haben, sondern minderjährige Mädchen um sie sexuell zu misshandeln und zu vergewaltigen.


Aber auch die US-amerikanische Justiz scheint sich für diese Hintergründe nicht wirklich zu interessieren, denn der Prozess gegen Maxwell wurde zwar unter dem Motto "Aufklärung" und "Gerechtigkeit" bei der Öffentlichkeit angepriesen, doch in den Gerichtsverhandlungen wurde die Frage, wer denn nun Epsteins "Kunden" sind, kein einziges Mal gestellt. Das wirft aber viele Fragen auf. Fragen, die Jeffrey Epstein nicht mehr beantworten kann, denn er hat sich ja angeblich selbst umgebracht.


Angeblich? Ja, den ein selbstmordgefährdeter Zelleninsasse müsste eigentlich rund um die Uhr scharf bewacht werden, doch das war bei Epstein nicht der Fall. Das Wachpersonal hat angeblich geschlafen und die Überwachungskameras hatten Fehlfunktionen, sprich sie waren kaputt. So habe sich Epstein also in dem Hochsicherheitstrakt in dem er eingesperrt war, mit einem Tuch aus Papier selbst aufgehängt, was jedoch keinen Sinn ergibt, da die Würgemale an seinem Hals, laut Autopsie nicht zu dieser Theorie passen. Auch dienstliche Konsequenzen hatten diese ganzen Pannen und Missgeschicke nicht. Schon seltsam.


In der Mainstreampresse sucht man vergebens nach einer direkten Erwähnung von Epsteins "Kunden", der Spiegel erwähnte in seiner Berichterstattung über Maxwells Prozess und Urteil beiläufiges:


„Auch viele andere Rätsel um Epstein blieben ungelöst. Der Prozess interessierte sich weder für die Quellen seines Vermögens, das 2019 auf 559 Millionen Dollar beziffert wurde, noch für eine gemunkelte Verwicklung seiner VIP-Freunde in seine Taten. Auch stand nicht zur Debatte, weshalb sich einige Promis selbst nach Epsteins erster Verurteilung als Sexualstraftäter 2008 weiter mit ihm sehen ließen."

Doch durch recherchieren mit der Wayback-Machine findet man heraus, dass der Spiegel seine Artikelüberschrift im Laufe der Zeit deutlich entschärfte. So lautete die erste Titelstory des Magazins zum Thema:


„Ghislaine Maxwell – Jeffrey Epsteins Komplizin des Sexhandels schuldig gesprochen„

Das schien dem ein oder anderen Redakteur dann aber etwas zu heiß gewesen zu sein und so wurde die Überschrift heruntergespielt und auf ein, für den normalen Leser eines ehemaligen Nachrichtenmagazins erträgliches Niveau gebracht, das nicht zu viele unerwünschte Fragen provoziert - „Komplizin im Sexhandel“ wurde zu „Frau, die ihm die Mädchen brachte“ ersetzt, was nicht ganz so böse klingt. Man darf dem durchschnittlichen Mainstreamkonsumenten schließlich nicht unnötig Angst und Sorgen einjagen.


Doch wer waren denn nun die Freunde von Jeffrey Epstein? Einfach gesagt, eigentlich alle Mitglieder der US-amerikanischen Elite, darunter der ehemalige Präsident Bill Clinton, was man aus den Logbüchern seiner Piloten entnehmen kann , die ihn regelmäßig mit der Maschine "Lolita-Express" zu Epsteins privater Insel geflogen haben.


Auf Netflix gibt es eine Dokumentation über die Machenschaften Epsteins, allerdings framen die Produzenten beim Zuschauer in eine spezielle Richtung, da sie öfter den Namen Donald Trump im Zusammenhang mit Epsteins Insel angeben, als den von Bill Clinton. Das Problem an dieser Taktik ist jedoch, dass sich Trump bereits im Jahr 2004 heftig mit Epstein verkracht hatte, weil dieser versucht hatte sich Trump mit einem minderjährigen Mädchen zu nähern und eine Reaktion des Baulöwen erwartete. Daraufhin flog Epstein bei Trump raus und die beiden waren danach alles andere als Freunde.


Aber Bill Clinton unterstützte Epstein selbst noch, als der 2008 wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde. Auch familiäre Bande wurden geknüpft und vertieft, denn Maxwell war bei der Hochzeit von Bill Clintons Tochter eingeladen. Das war 2010, also zwei Jahre nach Epsteins Verurteilung.


Auch Microsoft-Milliardär Bill Gates war ein enger Epstein-Kumpel. Er übernachtete oft bei ihm und wird dabei wohl in den Genuss von gewissen "Serviceleistungen" Epsteins gekommen sein. Melinda Gates fand diese Sache aber alles andere als lustig und so haben sich der Bill und die Melinda ziemlich verstritten. Um nicht zu sagen, es sind die Fetzen geflogen und die Vorzeigeehe endete in einer Scheidungsschlammschlacht 2019, nachdem Epstein wiederholt auffällig wurde und von der Justiz abgestraft wurde. Melinda schaltete ihre Anwälte ein um die Scheidung zu begünstigen, denn sie wollte mit den Machenschaften ihres Mannes und Jeffrey Epsteins nichts zu tun haben. Und die Medien? Schweigen im Blätterwald.


Als kleine Anekdote hilft es vielleicht dem ein oder anderen Leser zu wissen, dass der Spiegel aber auch zahllose andere Medienmarken weltweit regelmäßig saftige finanzielle Unterstützung vom "Menschenfreund" Gates erhalten. So lässt sich erklären, warum über derlei Dinge wie den Epstein-Fall eher hinweggesehen wird.



Jeffrey Epstein war in den elitären US-amerikanischen Zirkeln bekannt wie ein bunter Hund. Auch wussten so gut wie alle, was er tat und was sein "Geschäftsmodell" war. Als Donald Trump im Jahr 2016 Wahlkampf machte, also drei Jahre bevor Epstein erst medienwirksam auftauchte, hielt er eine Rede und auf die Frage, was er denn von seinem Vor-, Vor-, Vorgänger Bill Clinton halte, antwortete Trump trocken:


„Netter Kerl… Da kommen meiner Meinung nach eine Menge Probleme auf ihn zu im Zusammenhang mit der berühmten Insel und Jeffrey Epstein, eine Menge Probleme.“

Im Jahr 2015 wollte Amy Robach, Moderatorin von ABC eine Story über Epstein bringen, doch ihr wurde trotz perfekter Recherche die Ausstrahlung verwehrt. Kein Medium in den USA traute sich an den Fall heran.


Man bemerkt also, dass sich die Medien weltweit nicht sonderlich tief mit dem Fall Epstein befassen, ja man bekommt sogar den Eindruck sie wollen gar nicht wissen, was es mit dem Mann und seinen Kontakten auf sich hatte. Einzig Prinz Andrew wird am Rande manchmal erwähnt, das wars. Und das auch nur, weil das Interview von ihm bei der BBC eine PR-Katastrophe war.


Kritisches Nachhaken war von Anfang an nicht eingeplant im Fall Epstein und seiner "Kundschaft". Das wurde schon deutlich als die Anklageschrift gegen Ghislaine Maxwell veröffentlicht wurde. Man konnte davon ausgehen, dass es aufgrund der Struktur der Anklage keine Fragen zu Epsteins Abnehmern minderjähriger Mädchen geben werde.


Maxwell ist ein Bauernopfer. Die wahren Täter im Hintergrund können so weitermachen wie bisher. Und auch die Justiz in den USA hatte "keine weiteren Fragen." Was wäre wohl gewesen, wenn Maxwell die Richter um Strafminderung bei vollständiger Offenlegung ihres Wissens gebeten hätte? Wären sie darauf eingegangen oder hätten sie ihr einen Maulkorb verpasst, weil das nicht durchzukriegen ist? Wer ist da so mächtig, dass er offenbar auch die amerikanische Justiz so intensiv beeinflusst? Fragen über Fragen. Das Strafmaß im Fall Ghislaine Maxwell wird bald verkündet. Wir dürfen gespannt sein, ob sie bis dahin doch noch vollständig auspackt und wenn ja, vielleicht ungewollt das nächste "Suizidopfer" wird.


Quellen:


(1) Ghislaine Maxwell: Komplizin von Jeffrey Epstein des Sexhandels schuldig gesprochen - DER SPIEGEL

(2) https://youtu.be/-j0rjlfmDx4

(3) Jeffrey Epstein: Stinkreich | Netflix – offizielle Webseite

(4) Committed Grants | Bill & Melinda Gates Foundation - Bill & Melinda Gates Foundation

(5) https://youtu.be/JOktR-FbzvU

(6) Amy Robach discusses the allegedly quashed Epstein story - ABC News

(7) Andrews katastrophales BBC-Interview zu Epstein: Der peinliche Prinz - DER SPIEGEL

(8) U-S-v-Ghislaine-Maxwell-Indictment.pdf (documentcloud.org)

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