Deutsche Krebshilfe: Bis 2023 mehr Sterbefälle wegen Krebs erwartet

Aktualisiert: 9. Feb.

Die Deutsche Krebshilfe erwartet bis zum Jahr 2023 einen Anstieg der Krebstoten aufgrund der in der Corona-Pandemie weniger durchgeführten Krebsbehandlungen und Krebsoperationen.


Am gestrigen Weltkrebstag veröffentlichte das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung die aktuellen Zahlen der Krebsbehandlungen in Deutschland. Diese seien im Jahr 2020, also dem ersten Jahr der sogenannten Pandemie um sechs Prozent rückläufig gewesen. In Zahlen sind das 1,45 Millionen weniger Behandlungen.



Auch die Anzahl der Krebsoperationen sank um fünf Prozentpunkte. Insgesamt wurden 2020 satte 13 Prozent weniger Behandlungen in den Krankenhäusern durchgeführt. Gegenüber der Osnabrücker Zeitung sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven:


"Patienten mit Krebs stehen in der Pandemie oft hinten an. Wenn sich die Versorgung verschlechtert oder auch Diagnosen zu spät gestellt werden, schlägt sich das auch bei vielen Krebspatienten nieder, allerdings erst mit Verzögerung."

"Ab Ende 2022 oder Anfang 2023" werden "sich die Folgen der Pandemie auf die Krebssterblichkeit" zeigen so Nettekoven. Vor allem im Frühjahr 2020, also zu Beginn der Krise sei die Früherkennung von Krebs "besonders stark betroffen gewesen". Nettekoven weiter:


"Beispielsweise wurden diagnostische Maßnahmen zur Früherkennung von Brustkrebs im April 2020 kurzzeitig gänzlich ausgesetzt, um Kontakte zu vermeiden."

Auch Versicherungen schlagen Alarm. So informierte beispielsweise die DAK bereits im Mai 2021 über einen signifikanten Rückgang der Krebsvorsorge-Screenings in deutschen Arztpraxen. Dieser betrug im September 2020 18 Prozentpunkte weniger als im September 2019. Die Versicherung schreibt dazu:


"Bei Hautkrebs-Untersuchungen war der Rückgang mit 26 Prozent besonders stark. Mammographie-Screenings sanken um rund ein Fünftel, Prostata-Untersuchungen und Darmkrebs-Screenings etwa um ein Zehntel."

Im Jahr 2021 sei der Hauptgrund die Rücksicht der Menschen auf das Gesundheitssystem gewesen. Die Osnabrücker Zeitung zitiert Nettekoven in ihrem Artikel:


"Viele Menschen [wollen] das stark angespannte Gesundheitssystem nicht noch zusätzlich belasten und meiden deswegen den Klinik- oder Arztbesuch."

Im ersten Pandemiejahr war hauptsächlich die Angst vieler Patienten vor einer Corona-Infektion die Ursache warum die Praxen gemieden wurden. Krebs war laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2020 eine der vier häufigsten Ursachen für einen Klinikaufenthalt:


"Neun Prozent aller stationären Behandlungen im Jahr 2020 waren auf eine Krebserkrankung zurückzuführen. Häufiger wurden nur Krankheiten des Kreislaufsystems (16 Prozent), Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (11 Prozent) und Krankheiten des Verdauungssystems (11 Prozent) behandelt. Danach folgten Muskel-, Skelett- und Bindegewebskrankheiten (9 Prozent) und Krankheiten des Atmungssystems (6 Prozent)."

Krebserkrankungen waren demnach 2020 für 23 Prozent der Todesfälle verantwortlich, 2019 waren es sogar noch 25 Prozent. Früherkennende Untersuchungen sollten laut Nettekoven deshalb unbedingt wahrgenommen werden und "auch bei unklaren Symptomen sollte man keinesfalls warten, sondern den Arzt aufsuchen." Und weiter:


"Kliniken und Praxen treffen hohe Sicherheitsvorkehrungen und agieren sehr hygienebewusst."

1400 Krebsdiagnosen täglich erhalten die deutschen Bundesbürger, das sind insgesamt 510 000 Fälle pro Jahr, davon fallen 44 800 auf Lungenkrebserkrankungen gefolgt von 18 900 Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankungen und 18 600 Brustkrebserkrankungen. Dickdarmkrebs ist die vierthäufigste Ursache mit 15 700 Fällen. Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes ergibt sich für Krebserkrankungen in Deutschland folgendes Bild:


"Von allen Krebspatientinnen und -patienten 2020 wurden diejenigen mit der Diagnose Lungen- und Bronchialkrebs (13 Prozent), Brustkrebs (8 Prozent) und Hautkrebs (7 Prozent) am häufigsten im Krankenhaus versorgt. Unter den weitverbreiteten Krebserkrankungen gingen die stationären Behandlungen von Dickdarmkrebs mit -11 Prozent und von Hautkrebs mit -10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr am deutlichsten zurück."

Quellen:


(1) 6 % weniger stationäre Krebsbehandlungen im Jahr 2020 - Statistisches Bundesamt (destatis.de)

(2) Folge von Corona: Höhere Krebssterblichkeit erwartet | NOZ

(3) Krebsfrüherkennung: Rückgang in der Corona-Pandemie | DAK-Gesundheit

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