Butscha: Das Pentagon hat keine eigenen Informationen zu mutmaßlichem Massaker.

Trotz der gestern veröffentlichten Satellitenbilder von Butscha gibt das Pentagon zu, nicht über eigene Informationen zu dem mutmaßlichen Massaker in der ukrainischen Kleinstadt zu verfügen.

Gestern veröffentlichte die New York Times Satellitenbilder, die das mutmaßliche Massaker in der ukrainischen Kleinstadt Butscha belegen sollen. Das US-amerikanische Pentagon hat dagegen laut eigenen Angaben keine näheren Informationen zu den Vorfällen. Den Bildern zufolge haben russische Militärs zwischen dem 11. März und ihrem Abzug aus Butscha Ende März ein Massaker an ukrainischen Zivilisten angerichtet.


Am 3. April wurden aber erst die Leichen präsentiert, die nach drei bis vier Wochen angeblicher Liegezeit auf der Straße eigentlich total verwest sein müssten. Wäre es aus seuchenschutztechnischen Gründen nicht auch für russische Soldaten sinnvoll gewesen, die Leichen wegzubringen oder zumindest zu verbrennen? Und wenn nicht, hätten dann nicht spätestens Anfang April die Ukrainer diese Aufgabe erledigen müssen? Oder ist es normal, Leichen wochenlang auf der Straße herum liegen zu lassen?


Fragen über Fragen, doch eines ist sicher: Die Satellitenbilder stammen nicht von einer Regierungsorganisation wie dem Pentagon, sondern wurden von dem Privatunternehmen Maxar Technologies veröffentlicht. Hinzu kommt, dass das US-amerikanische Pentagon gar keine Ahnung von den Vorfällen zu haben scheint, denn der Sprecher des Verteidigungsministeriums John Kirby wich auf der obligatorischen Pressekonferenz am 4. April vielen Fragen aus. Dabei machte es nicht den Anschein, dass das Pentagon nähere eigene Informationen zu dem mutmaßlichen Massaker hat und Kirby bestätigte auch nicht die Satellitenbilder von Maxar Technologies.


Im Gegenteil wurde Kirby auf der Pressekonferenz von einem Journalisten gefragt, ob anhand der Satellitenbilder, die die Ermordung von Menschen in Butscha zeigen, das Verteidigungsministerium sagen könne "ob es auch Beweise gesehen hat, während die Russen noch in Butscha waren, über – von Leichen, Massengräbern, die beweisen, dass die Russen diese Hinrichtungen durchgeführt haben?" Darauf antwortete der Pressesprecher:


"Jeff, ich glaube, ich habe heute schon darüber gesprochen. Ich meine, wir haben sicherlich viele der gleichen Bilder gesehen, die Sie gesehen haben. Natürlich stehen wir in Kontakt mit unseren ukrainischen Partnern. Wir sind sicherlich nicht in der Lage zu widerlegen, dass diese Gräueltaten stattgefunden haben, dass sie in dem Ausmaß stattgefunden haben, wie es die Ukrainer gesagt haben, und dass die Russen dafür verantwortlich sind. Und ich denke, ich werde es dabei belassen.“

Das bedeutet, dass der Pressesprecher sich ausschließlich auf Medienbilder über die Ereignisse berufen hat und außerdem auf die Anschuldigungen der ukrainischen Regierung, eigene Erkenntnisse oder Beweise, die das Pentagon haben müsste, erwähnte er aber nicht. Er kann aber von vorne herein nicht ausschließen, dass es die Russen waren. Die bestausgestattete Militäreinheit der Welt hat also keine eigenen näheren Erkenntnisse zu Russlands mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Butscha, sondern bezieht sich nur auf Quellen der New York Times und anderer Medien, sowie auf Anschuldigungen aus Kiew. Das sollte zu denken geben und macht eine unabhängige Untersuchungskommission in Butscha umso notwendiger.

Quellen:


(1) https://www.artikeleins.info/post/butscha-massaker-satellitenbilder-widersprechen-russlands-darstellung

(2) https://www.nytimes.com/2022/04/04/world/europe/bucha-ukraine-bodies.html

(3) https://www.defense.gov/News/Transcripts/Transcript/Article/2988886/pentagon-press-secretary-john-f-kirby-holds-a-press-briefing/



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