Atomkrieg: Wer droht hier eigentlich wem?

Die bösen Russen drohen mit Atomkrieg. Diese und andere ähnliche Schlagzeilen lesen wir hierzulande nahezu täglich. Doch wer droht hier eigentlich wem mit der nuklearen Vernichtung?

Foto: pixabay.com


Nach den Angaben Russlands wurde die Ukraine am 24. Februar 2022 angegriffen, weil Kiew unter anderem mit der Rückkehr zu einer atomaren Bewaffnung gedroht hatte und zwar schon vor dem Krieg. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hielt der ukrainische Präsident Selenskji am 19. Februar 2022 eine Rede in der er offen einen Bruch des Budapester Memorandums vorschlug und wurde von den Anwesenden dafür frenetisch gefeiert.


Das Budapester Memorandum regelte die atomare Bewaffnung der ehemaligen Ostblockstaaten Ukraine, Weißrussland und Kasachstan nach dem Zerfall der Sowjetunion. Demnach durften diese Staaten keine Atomwaffen mehr besitzen und erhielten im Gegenzug Sicherheitsgarantien von den USA, Russland und Großbritannien.


In den westlichen Mainstreammedien ist davon allerdings rein gar nichts zu hören, im Gegenteil, Spiegel, Bild, Focus, ARD, ZDF und Konsorten berichten fast täglich von russischen Drohungen eines atomaren Erstschlags gegen den Westen. Die militärische Doktrin Moskaus erlaubt den Einsatz nuklearer Waffensysteme allerdings nur, wenn Russland in seiner eigenen Existenz und staatlichen Integrität bedroht ist, atomare Drohungen aus Moskau gab es, bis auf ein paar verrückte Aussagen unwichtiger Blogger und Kommentatoren bislang keine aus Moskau.


Noch ist Russland nicht in seiner Existenz bedroht und die Sabotageakte Kiews werden noch ohne Nuklearwaffen beantwortet, was nicht heißen muss, dass das ewig so bleibt. Westliche "Experten" bleiben aber ihrem Kurs treu und berichten regelmäßig ohne Quellenangaben der angeblichen jeweiligen Äußerungen über die "Drohungen" aus dem Kreml. Was wir von "Experten" zu halten haben, wurde allerdings spätestens seit der Corona-Krise sichtbar, "Experten" vertreten die Meinung der Mächtigen und werden dafür fürstlich entlohnt.


Der Einzige, der nachweislich mit Atomwaffen gedroht hat ist der ukrainische Präsident Selenskji und zwar in einem Videointerview mit dem australischen Lowy Insitute am 6. Oktober 2022. Dabei forderte er die NATO-Staaten auf, gegen Russland nukleare Erstschläge durchzuführen. Er sagte:

"Was sollte die NATO tun? Verhindern, dass Russland Atomwaffen einsetzt. Vor allem aber appelliere ich noch einmal an die internationale Gemeinschaft, wie schon vor dem 24. Februar: Präventivschläge, damit sie wissen, was mit ihnen geschieht, wenn sie sie einsetzen. Nicht umgekehrt auf Russlands Nuklearschläge warten, um dann sagen zu können: ‚Ah, so seid ihr also, na dann kriegt ihr es jetzt zurück."

Kurz darauf ruderte Selenskji zwar zurück und betonte, er habe nicht von einem nuklearen Erstschlag gegen Russland geredet, sondern von mehr Sanktionen. Russische Medien erklärten daraufhin:

"“Die Welt kann in einem solchen Fall ein Sanktionspaket vorlegen und alles tun, was möglich ist, um sie (Russland – Anm. TASS) dazu zu bringen, das Atomkraftwerk [Saporoschje] zu verlassen“, sagte er am Freitag in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. Selensky behauptete, dass er zuvor missverstanden worden sei und dass Russland angeblich begonnen habe, seine Äußerungen „in einer Weise zu verwenden, die ihm selbst nützt und sie in andere Richtungen weitergibt“."

Deutlich wurde nach Selenskjis ursprünglicher Ankündigung eines präventiven Nuklearschlags der russische Außenminister Lawrow. Er meinte, dass Selenskji mit seiner Aussage bestätigt habe, dass Russlands Einmarsch in die Ukraine notwendig gewesen sei um die atomare Gefahr für Moskau zu bannen. Er bezog sich dabei auf Selenskjis Rede vom 19. Februar 2022 auf der MSC, fünf Tage vor Kriegsausbruch:

"Gestern forderte Selenskij seine westlichen Herren auf, einen nuklearen Präventivschlag gegen Russland durchzuführen. Damit hat die Figur der Welt einen weiteren Beweis für die Bedrohung durch das Kiewer Regime geliefert, zu deren Beseitigung die Militäroperation begonnen wurde."

Der Begriff "Militäroperation" den die Russen seit Beginn der Invasion benutzen, erscheint mir mittlerweile immer fraglicher. Er ist reine russische Propaganda, denn was wir in der Ukraine seit Februar erleben ist ein waschechter Krieg. Die Russen nutzen den Begriff meiner Meinung nach absichtlich um den Westen zu provozieren, schließlich nannten die USA und ihre NATO-Bündnispartner die Kriege im Irak, Syrien, Libyen und Afghanistan auch nicht beim Namen, sondern gaben ihnen den beschönigenden Namen "humanitäre Intervention". Ein Euphemismus, denn es gibt keine humanitären Kriege. Eine Frau würde auch nicht von einer "liebevollen Vergewaltigung" sprechen. Daher kann man konstatieren, dass beide Seiten ihre Propaganda voll ausbreiten.


Quellen:


(1) https://www.artikeleins.info/post/wollte-die-ukraine-atomwaffen-um-russland-bedrohen-zu-k%C3%B6nnen

(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Budapester_Memorandum

(3) https://www.spiegel.de/ausland/joe-biden-warnt-vor-armageddon-konfrontation-mit-russland-a-ffa0eead-9edf-4075-897e-30d3bb6af3dd

(4) https://t.me/stranaua/68083

(5) https://www.bbc.com/

(6) https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/15990561

(7) https://deutsch.rt.com/international/150938-sergei-lawrow-selenskijs-aufruf-zum/




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